Archiv für den Monat Juli 2013

Das war die Critical Mass im Juli

cm juli augsburg friedensfest critical massDie Critical Mass am 26. Juli war die größte CM, die Augsburg bisher gesehen hat. 130 bestens gelaunte Mitfahrer*innen sorgten für eine tolle Stimmung. Eine Rikscha war dabei, zwei Tallbikes und mehrere Lastenfahrräder. Durch den ganzen Pferseer Tunnel wurde so laut gejubelt und geklingelt wie nicht mal bei der Münchner Radlnacht mit mehreren tausend Teilnehmern. Im Kreisverkehr in der Proviantbachstraße gab es spontanen Beifall untereinander. Die Fahrt war diesmal mit 20 Kilometern und zwei Stunden recht lang. Aber praktisch alle Teilnehmer blieben bis zum Schluß dabei, weil es ihnen so gut gefallen hat. Abschließend ging es noch einige Male um den Herkulesbrunnen auf der Maxstraße und zum Rathausplatz. Dort hoben die Leute ihre Fahrräder in die Luft über den Kopf, um die Fahrt zu feiern („Bike-Lift“). Vielen Dank an die Organisatoren des Rahmenprogramms „Protest“ zum Augsburger Friedenfest, besonders Mona Rother, für die Aufnahme der CM in das Programm. Wir Augsburger haben erfolgreich für die Stärkung des Augsburger Fahrradverkehrs protestiert. Mit einer fröhlichen, kreativen, bunten „Fahrradprotestfahrt“.

Protest gegen Polizeiüberwachung bei der Critical Mass Augsburg

Eins vorneweg: dieser Blog ist kein offizieller Blog der Critical Mass in Augsburg. Er wird privat betrieben. Einige CM-Mitfahrer haben darum gebeten, hier ein Statement zu veröffentlichen:

Gegen polizeiliche Überwachung bei der Critical Mass

Die Critical Mass stört den Verkehr.
Die Critical Mass gefährdet die öffentliche Ordnung.
Die Critical Mass verstößt gegen das Gesetz.
Die Critical Mass ist subversiv.
Die Critical Mass ist gefährlich.

Wir fahren einfach nur zusammen Fahrrad. Fröhlich, gemütlich, gemeinsam. In UNSERER Stadt. Je mehr, desto sicherer. Critical Mass!

Bei der Juni-Critical Mass fuhr ein Augsburger Fahrradpolizist in Zivil mit. Er hat sich der Gruppe vorgestellt. Sein erklärtes Ziel: die Fahrradszene kennenlernen. Sein dienstlicher Auftrag: die Critical Mass beobachten und einen Bericht für seinen Vorgesetzten schreiben. Die Frage nach dem dienstlichen Anlass für diese polizeiliche Maßnahme hat er nicht beantwortet.

Der Polizist hielt sich während der Fahrt im Hintergrund. Es gab keine Probleme: keine Fahrradkontrollen, keine Personalienaufnahmen, keine Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten.

critical mass augsburgDennoch soll die Critical Mass ein Raum sein, in dem man sich nicht unter polizeilicher Dauerbeobachtung bewegen muss. Wir sind gegen polizeiliche Begleitung. Unabhängig davon, ob der Polizist gute oder schlechte Absichten hat. Die Critical Mass existiert und funktioniert seit über vier Jahren ohne behördliche Aufsicht. Die Critical Mass ist eine Fahrradfahrt, nichts sonst.   

So fördert man tatsächlich nicht den Fahrradverkehr in Augsburg. So sorgt man für Verunsicherung und das Wegbleiben von Teilnehmern, denen es wichtig ist, nicht 1,5 Stunden ohne Unterbrechung polizeilich beobachtet zu werden. Ob der Polizist so genau hinschaut oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Er fährt ganz hinten mit, man hat ihn nicht ständig im Auge. Das komische Gefühl, dass da hinten jemand aufmerksam beobachten könnte, bleibt. Immer wieder während der Fahrt schaut man mal, mit wem er sich gerade so unterhält und was er so macht.

Es ist hoffentlich nicht zu erwarten, dass Initiativen zur Stärkung des Fahrradverkehrs in Augsburg in Zukunft zwar von der Polizei nicht behindert, aber doch beobachtet und dokumentiert werden.

Bilder von der Juni-Critical Mass

Es ist gar nicht so leicht, eine Critical Mass zu fotografieren. Die Gruppe zieht sich in die Länge, schon bei 45 Mitfahrer_innen. Am Ende, am Rathausplatz, gab es mal wieder den „Bike Lift“, bei dem die Teilnehmer ihre Räder in die Höhe halten. Sie feiern damit die Tour und lassen ihr Fahrrad und alles, was sie damit verbinden, hochleben.

Für die CM am 26. Juli zum Augsburger Friedensfest peilen wir 100 Mitfahrer_innen an. Wer das erste Mal dabei sein wird und vorher wissen will, wie eine Critical Mass aussieht, gewinnt durch die Fotos einen guten Eindruck.

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Die „Friedensfest-“ Critical Mass am 26. Juli. Das Ziel: 100 Mitfahrer_innen

Die Critical Mass im Juli ist Teil des Programms des Augsburger Friedensfests. Das Rahmenprogramm (21.7.-8.8.) steht unter dem Motto „Protest“. Das passt wunderbar, sehen wir uns doch als „Kreative Fahrradprotestfahrt“.

Wir wollen es wissen. Schaffen wir es, 100 Leute zusammen zu bekommen, die gemeinsam gemütlich durch Augsburg fahren? Startpunkt ist Freitag, 26. Juli um 18.00 Uhr am Rathausplatz.

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Das Feedback zur letzten CM Ende Juni war durchweg toll:

„Ich wurde aber am Freitag positiv überrascht – zwar mit etwa 40 Teilnehmern […] noch recht überschaubar, aber ein sehr gemischtes Publikum und eine sehr entspannte Fahrt über etwa zwei Stunden quer durch das Stadtgebiet.“

„Hallo! War gestern zum ersten Mal dabei und es hat mir super gefallen.“

„war heute zum ersten mal dabei und fands super! werd auf jeden fall öfter mitfahren. bescherte mir einen besonderen und angenehmen feierabend! hervorzuheben ist ausserdem die angenehme gesellschaft der netten menschen. ich freu mich aufs nächste mal.“

Was ist die Critical Mass?

Rein technisch: mehr als 15 Radfahrer_innen, die eine erkennbar zusammengehörige Gruppe bilden, können nach § 27 StVO einen geschlossenen Verband bilden. Dieser Verband gilt wie ein einzelnes Fahrzeug, kann z. B. in einem Zug über eine Kreuzung mit Ampel fahren, auch wenn die Ampel zwischenzeitlich auf Rot umschaltet. Der Verband muss Radwege nicht benutzen, es darf in Zweierreihen gefahren werden.

Die Idee: ab einer gewissen Anzahl Fahrradfahrer ist die „kritische Masse“ überschritten. Fahrradfahrer werden nicht mehr als einzelne (störende) Verkehrsteilnehmer gesehen, sondern als unabänderliches „Ereignis“, das nicht mehr in Frage gestellt wird. Der Effekt ist ab ca. 30 Mitfahrern gegeben: die Gruppe wird praktisch nicht mehr überholt, nicht angehupt und nicht bedrängt. Sie wird als Verkehrsteilnehmer_in akzeptiert.

Das wünschen wir uns nicht nur für die monatlichen CM-Termine, sondern für alle Fahrradfahrer in Augsburg, an jeder Stelle zu jeder Zeit. Deshalb wollen wir die Fahrradkultur in Augsburg fördern, deshalb gibt es die Critical Mass.

Die Critical Mass ist nicht organisiert. Wer zufällig oder bewußt an erster Stelle fährt, bestimmt die Richtung. Der Führende wechselt während der Fahrt, wie es gerade kommt. Die Route ist deshalb jedes Mal anders. Augsburg entdecken ist die Devise. Das Tempo ist gemütlich, die Unterhaltung mit den Mitfahrer_innen gewollt.

Zwischen 19.30 und 20.00 Uhr endet die Tour wieder am Rathausplatz.